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Herbert Voß

Für immer da. | Resümée | Erinnern | Leben II | Stillstand | Nähe | Schreiben | Welten | Macht | Weg und Ziel | Der Baum | Herbst | Aufstand | Flucht | Vertrauen | Leben I | Stille | Wissen und Wahrnehmen | Gefühle | Erfolg oder nicht? | Verstehen | Zukunft | Fiktion und Realität | An einen ehemaligen Suizidkandidaten | Warum I | Warum II | Das Telefon | Verstehen | Konsequenz | Gedanken | Stehaufmännchen | Also Gut | Anna | Ein Freund | Verstehen II | Abschied | juliagl

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Für immer da.

Als wäre es erst gestern gewesen
Mit einem Schlag ist sie wieder da
Die Erinnerung an all das, was war
An Leid, an Freude, an Tränen, an Lachen
Vergangenheit ist Gegenwart
Vergessen ist nichts
Es scheint
Es ist für immer da

21.6.2003

Zurück

Resümée

Als der Tod ihn nach einem Resümee fragte, anwortete er:
"Es war ein Leben voller Missverstände ... "

16.3.2003

Zurück

erinnern

Das Erinnern kämpft gegen das Vergessen,
wie das Licht gegen den Nebel,
wie das Lachen gegen das Weinen.
Die Zeit scheint es nicht zu kümmern,
sie schreitet gleichmäßig voran.
Und der Alltag lebt vom Vergessen,
er ist oft grau durch den Nebel,
häufig nur zu ertragen durch stilles Weinen.
Doch immer wieder kommen die Naturgewalten,
reissen nach Blitz und Donner die Wolken auseinander,
lassen durch Wind und Sturm den Nebel flüchten
für das Lachen und Erinnern.

27.3.00

Zurück

Leben II

Etwas über das Leben
Das Etwas über Leben
Leben über das Etwas
Über das Etwas leben
Das Leben etwas über
Über Leben das Etwas
Das etwas Leben über
Etwas das Leben über
Über etwas das Leben
Leben das Etwas über
...
Was denn nun?

1.9.99

Stillstand

Weder vorwärts noch rückwärts
So bezeichnen wir den Stillstand
Und irren uns doch sehr
Denn SIE nimmt uns mit
Ob wir wollen oder nicht
Um SIE herum können wir das Leben bauen
Dynamisch oder statisch
IHR ist es egal
SIE fragt uns nie
Ob uns dieses oder jenes passt
SIE läßt sich einfach nicht beirren
Und geht still IHREN Weg
die Zeit

4.5.99 17.55 Uhr

Nähe

Gleich einer Sattelitenbahn im All
Verläuft dein Weg in dieser Welt
Es gibt Momente, da bist du nah
Doch Nähe wird erkauft durch große Geschwindigkeit
Der Blick ist schon gerichtet in die Ferne
Und beeinträchtigt das Gefühl für den geringen Abstand
Versäumtes nachzuholen, muss schnell entschlossen werden
Die Zeit des Nahseins ist und bleibt begrenzt.

26.3.98

Schreiben

Ich möchte etwas schreiben
ein schönes Gedicht, wie von Goethe
auch wie ein Künstler leiden
zwar jedes Wort bedenkend, doch ohne große Nöte
es fliessen lassen wie bei Hölderlin
oder so direkt wie bei Fried

Ich habe es immer wieder probiert
habe jeden Gedanken notiert
um es in ein Ganzes zu passen
auch das Reimen konnte ich nicht lassen
doch irgendwie fand ich es mies
denn herausgekommen ist nur dies

5.1.1999

Welten

Lächelnd gehst du traurig durch die Welt
Zweifel sind dir näher als Freude eines Erfolgs
Distanz zur Nähe ist geprägt von der EntFERNung
Leisen Tönen lauschend versinkst du tief in Gedanken
Gehst in DEINE Welt
Schreckhaft zurückgeholt von meinen lauten Worten
Verdrängst du alles und gibst mir Dein Lachen
Zusammen jeden Morgen neu aufbrechend
Erkunden wir die Winkel UNSERER Welt

31.12.1998

Macht

Du warst verlockend
mit Deinem süßen Duft
Du warst bezaubernd
mit Deinen Möglichkeiten

Nun habe ich Dich verloren
doch Du gabst mir mein Pfand zurück
meine Freiheit

Dies fiel Dir leicht
denn Du hast es immer gewusst
ich war auf Deiner Seite
im täglichen Kampf gegen die anderen
die versuchten, Dich zu missbrauchen ...

22.12.1998

Weg und Ziel

Das Ziel ist völlig klar
Am Anfang auch der Weg
Alles ist voller Zuversicht
Geleitet von der Motivation
Beschreitet man den Weg zum Ziel

Mit großen Schritten schreitend
Weicht man kleinen Steinen aus
Ein leichtes Stolpern ignorierend
Stehen wir plötzlich und unverhofft
Vor einem Hindernis und der Frage:
Wo ist mein Ziel?

10.12.1998

Der Baum

Im Winter wie aus Stahl
regungslos stehst du da
ignorierst still jedes Wetter
und es erscheint sehr
du hättest keinen Sinn
doch in dir
ist er schon da
der Frühling
das Leben

7.12.1998

Herbst

Herbst
Alles grau
Nieselregen
Unangenehmer Wind
Die Schritte führen ins Cafe
Völlige Windstille
Angenehme Wärme
Viele Farben
Herbst

9.11.1998

Aufstand

Endlose Diskussionen,
über ein wichtiges Thema
mit großem Engagement,
vergeht das Gefühl für die Zeit

Doch, sie machen einen Popanz,
aus jeder kleinen Sache,
die an sich doch völlig klar,
aber nur für den Denkenden!

5.10.1998

Flucht

Verfolgt von den eigenen Gedanken
wird das Unmögliche versucht
sich vor sich selbst zu verstecken

Auch das Schließen der Augen
und das Verstopfen der Ohren
führt nicht zum ersehnten Ziel

der Flucht vor sich selbst

30.6.1998

Vertrauen

gewonnen wie zerronnen
gefunden wie verloren
doch nie zu kaufen

16.6.1998

Leben

Lachen
Weinen
Schreien
Trauer
Glück
Qualen
Schmerz
Verlust
Wiedersehen
Suizid
- - -> Leben
???
- - -> Tod

10. April 1998 (im Uniklinikum Steglitz)

Stille

Hörst du sie, die Stille?
Nein!
Ich höre nichts!

März 1998

juliagl

I don't really know who you are
You are more virtual than real
But in my thoughts you are a human being
With a heart and a soul
Maybe that I'll never see you in reality
But sometimes
Virtuality may be a good alternative
What for?
To lost in cyberspace ...

24.1.98; 22.40 Uhr

Wissen und Wahrnehmen

Ich blicke
Geradeaus
Und doch
Es sind nur die Augen
Die Gedanken
Sie gehen rückwärts
Versuchen verzweifelt
Alles zu negieren
Was geschehen ist
Ich weiß
Es ist Vergangenheit
Doch Wissen
Ist nicht immer Wahrnehmen

(1996)

Warum II

Die Gefühle liegen auf Eis
Die Gedanken drehen sich im Kreis
Ich versuche zu verstehen
Doch, ich kann es beliebig drehen
Es kommt immer zutage
die gleiche Frage
WARUM?

(6.5.96; 18.21 Uhr)

Verstehen

Ich kann es nicht sagen
Mir fehlen die Worte
Doch könntest Du sie sehen
Meine Augen, mein Gesicht
Nicht Tausend Worte
Könnten das sagen
Was ich meine
Es ist egal
Denn Du verstehst
Auch ohne die Worte
Und sogar ohne die Augen und das Gesicht!

1996

Anna
Weit weg
Erinnerung
Ein Gesicht taucht auf
Und verschwindet
Zurück bleibt
Anna

Dezember 1996

Ein Freund

Wissen, daß Du bist
Wissen, daß Du trotzdem nah bist
Wissen, daß Du trotzdem hinter mir bist
Wissen, daß Du trotzdem bei mir bist
Wissen, daß ich all dies trotzdem nicht wissen muß

22.12.1996 / 23.47Uhr

Gefühle

René Decartes vergaß etwas Wesentliches beim
"Ich denke, also bin ich!"
Die Gefühle!

(1995)

Erfolg oder nicht?

Ein vom Suizid Geretteter stellt nach 10 Jahren fest, daß er betrogen wurde.

(1995)

Zukunft

Aussage eines Bildungswissenschaftlers:
Wir sollten langsam, aber sicher mit der Zukunft beginnen!

Meine Antwort:
Brauchen wir nicht, sie kommt von alleine!

(03/1995)

Verstehen

Einen anderen Menschen zu verstehen,
Sei schwierig, manchmal unmöglich,
Sagen sie.
Doch es ist ganz einfach,
Denke einfach weniger an Dich,
Dann verstehst Du,
Früher oder später.

(18.5.1995)

Fiktion und Realität

Ich werde es nicht tun
diesmal nicht
niemals
Ich werde es genießen,
das Klingeln des Telefons
den Wunsch des anderen
meine Stimme zu hören
diesmal nicht
Ich werde nicht nachgeben
zeigen, daß auch ich hart sein kann
daß ich mich getroffen fühle
nicht alles ertragen werde
diesmal nicht
Den Blick fest aufs Telefon gerichtet
werde ich den Anruf erwarten
der diesmal vergebens sein wird
hundertmal, tausendmal kann es klingeln
diesmal nicht

Es klingelt, endlich,
mein Arm ergreift den Hörer ...

(1995)

Das Telefon

Das Telefon hat nur einen Nachteil,
der jedoch manchmal fatale Folgen haben kann,
Schweigen macht keinen Sinn.

(13.04.1995)

Also Gut

Also gut
Ich sehe es jetzt ein, nach 46 Jahren
Du hast mich hier hingestellt
So wie ich bin
Mit all den Zweifeln in mir, was gut und was falsch ist
Mit der ewigen Frage nach dem Warum
Der endlosen Suche nach dem eigenen Ich
Den Gedanken, die mich gefangen halten
Der unendlichen Leidensfähigkeit.

Also gut
Ich nehme es an, daß ich so bin, wie ich bin
Um den anderen zu helfen
Auch dann noch, wenn sie mir nicht helfen
Um alles zu erleiden, damit ich besser verstehe
Um auf halbem Wege alleine zurückzubleiben
Wenn ich die anderen vom Tal der Qualen
Auf den Weg zum Berg der Hoffnung gebracht habe

Also gut!
Aber eins sage ich DIR und zwar mit lauter Stimme

Leichten Herzens tue ich es nicht!

(Donnerstag, 23. November 1995 / während die UIIb ihre 3. Klassenarbeit schreibt!)

Warum I

Es gibt Tage
Da kann ich sie erklären
Die Frage nach dem
Warum?
Überzeugend und klar
Doch es gibt Tage
Da frage ich selber
Warum?
Und die einzige Antwort
Die ich dann habe
Sind die anderen Tage

Ich danke Heinrich Heine für seine Anregung,
denn sein Gedicht über den suchenden Jüngling war das Thema
der Deutsch-Klausur des dritten Semesters, bei der ich Aufsicht führen mußte!
27. November 1995, Mehrzweckraum des CK

An einen ehemaligen Suizidkandidaten

Danke,
Dafür, daß Du da bist,
Wo Du jetzt bist
Und nicht dort,
Wo Du einmal sein wolltest,
Denn ich,
Werde vielleicht irgendwo sein,
Aber freiwillig
Niemals dort!

(1994)

Konsequenz

Konsequent inkonsequent zu sein,
eine wahre Lebenskunst

(1994)

Gedanken

Gedanken, sagt man, sind frei
Doch wie soll das funktionieren,
Wenn der erste des Tages schon Dir gehört?

They say thoughts are free
but how can that work,
when the first one of the day is already yours

1995

Stehaufmännchen

Ich komme mir vor
wie ein Stehaufmännchen
bis zum Umfallen

1994

Abschied

Ich will es nicht glauben
Der Verstand weigert sich
Es scheint keinen Weg zurück zu geben
Die Zukunft, sie verschwimmt im Nebel
Die Gegenwart ist fast nicht zu ertragen
Doch, wenn ich ehrlich bin, es war eine schöne Vergangenheit

29.12.94 (geschrieben im Kopf irgendwo auf der Autobahn)

Verstehen

Ich verstehe nicht,
wieso ich alles verstehen will

(1993)


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Last updated at: 22.06.2003

Herbert Voß <voss@perce.de>